Ernährung bei Neurodermitis: Das hilft!

Wer unter Hautproblemen leidet, kann mit der richtigen Lebensmittelauswahl viel bewirken. Lesen Sie hier, welche Ernährung bei Neurodermitis hilft.
Ernährung bei Neurodermitis: Das hilft! Ernährung bei Neurodermitis: Das hilft! Ernährung bei Neurodermitis: Das hilft!
Foto: plainpicture
Extrem trockene Haut, Juckreiz, Entzündungen - circa 6 Millionen Menschen sind in Deutschland von Neurodermitis betroffen. Tendenz steigend! Ursache für die unangenehmen und schmerzhaften Symptome der Betroffenen ist ein überempfindliches Immunsystem. Es bildet permanent entzündungsfördernde Botenstoffe und bringt dadurch die Haut aus dem Lot. Die Folge: Bakterien, Allergene, Giftstoffe, aber auch Schweiß dringen leichter durch die Hautbarriere hindurch. Die daraus resultieren Irritationen und Entzündungen wurden lange rein schulmedizinisch mit feuchtigkeitsspendenden, pflegenden Lotionen und Cremes oder auch entzündungsstillenden Kortisonsalben und -präparaten behandelt. Heute sind die Therapien ganzheitlich, denn Forschungen haben gezeigt, dass der Ausbruch der genetisch veranlagten Krankheit auch durch andere Faktoren begünstigt wird. Verschiedene Studien zeigen zum Beispiel einen Zusammenhang zwischen Allergien, Asthma und Neurodermitisschüben. Immer mehr rückt dabei die Auswirkung von Nahrungsmitteln auf die Haut und eine optimale Ernährung bei Neurodermitis in den Fokus der Therapie.

Erst der Allergietest, dann ein neuer Speiseplan


Die richtige Ernährung kann viel zum Wohlbefinden von Neurodermitispatienten beitragen. Die Versorgung mit allen lebensnotwendigen Nährstoffen stärkt den Organismus und die Psyche und hat allein deshalb einen großen Einfluss auf das Hautbild. Das große "Aber": Während man einem Gesunden pauschal einen ausgewogenen Mix aus Vollkornprodukten, Gemüse, Obst, mageren Eiweißquellen, pflanzlichen Fetten und Hülsenfrüchte empfiehlt, muss bei einem Menschen mit Hautproblemen immer vorab geschaut werden, ob auch wirklich alle Nahrungsmittel vertragen werden. Denn bei mehr als 30 Prozent der erkrankten Menschen, insbesondere Kindern, sorgt eine echte IgE-vermittelte Lebensmittelallergie für Juckreiz und Co. IgE steht für Immunglobulin E, einen Antikörper, der für Allergien verantwortlich ist. Auch sogenannte Kreuzreaktionen auf pollenassoziierten Lebensmittelallergien führen bei fünfzig Prozent der Erwachsenen und jugendliche Neurodermitispatienten zu einer Verschlechterung des Hautbildes. Bedeutet in der Praxis: Wer zum Beispiel eine Birkenpollenallergie hat, könnte auch nach dem Verzehr von Nüssen oder rohem Apfel verstärkt Hautreaktionen haben. Deshalb lautet die erste wichtige Empfehlung bei der ganzheitlichen Behandlung: erst Allergietest, dann Ernährungsumstellung. Die gute Nachricht: Wird das entlarvte Allergen dann konsequent vom Speiseplan gestrichen, führt dies oft zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität.

Ernährung bei Neurodermitis: Maßvoll bei Zucker und Rotwein


Wenn keine Allergien vorliegen und die Haut dennoch "blüht", kann auch das Histamin dahinter stecken. Histamin kommt in vielen Lebensmitteln vor, wird aber auch vom menschlichen Körper gebildet. Liegt eine Unverträglichkeit vor oder werden sehr histaminreiche Produkte verzehrt, können Histamin oder ihm verwandte Stoffe nicht schnell genug vom Stoffwechsel abgebaut werden. In der Folge erweitern sich die Gefäße und werden durchlässiger. Blutplasma dringt ins Hautgewebe ein und löst einen Juckreiz aus. Histaminreiche Lebensmittel sind geräucherte, getrocknete und gesalzene Fisch- und Wurstwaren, lang gereifter Käse, Sauerkraut, Essiggurken. Auch Erdbeeren, Schokolade, Zitrusfrüchte, Bananen und Alkohol (besonders Rotwein) sollten bei einer Histaminunverträglichkeit gemieden werden. Aus anderen Gründen sollten Fast Food und Fertiggerichte nahezu vom Speiseplan gestrichen werden, denn Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffe können Allergien und Hautreaktionen auslösen. Ein weiterer Nahrungsmittelinhaltsstoff, den Neurodermitis-, aber auch Rosacea- oder Aknepatienten sparsam dosieren sollten, ist Zucker. Er schürt wie im Übrigen auch hoch verarbeitete Weizenprodukte laut einer Studie des Rosacea Research Development Institutes Entzündungen. WIE EINFACH! Tipp: Um herauszufinden, ob Sie auf Histamin oder Zucker reagieren, lohnt es sich, einige Wochen ein Ernährungstagesbuch zu führen. Darin schreiben Sie genau auf, wann Sie welche Lebensmittel gegessen haben und halten außerdem täglich den Zustand der Haut fest. Auf diese Weise gewinnen Sie einen Überblick, welche Lebensmittel Juckreiz und Co triggern und auf welche Produkte Ihr Körper nicht negativ reagiert. In extremen Fällen kann auch eine Auslassdiät oder Eliminationsdiät (unter ärztlicher Anleitung) helfen, problematische Produkte zu entlarven.

Besser Essen für eine schöne Haut


Die gute Nachricht: Es gibt auch eine Reihe von Leckereien, die unserer empfindlichen Hülle gut tun. Gesunde Öle zum Beispiel pflegen die Haut von innen, deshalb sollte Avocado aber auch Raps-, Hanf-., Lein- und Olivenöl möglichst oft auf Ihrem Speiseplan stehen. Wer sich täglich einen bunten Mix aus Gemüse, Salat, Kräutern und gut verträglichen Obstsorten gönnt, versorgt seinen Körper mit Vitaminen, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffen. Letztere wirken antioxidativ und schützen unsere Zellen vor Angriffen von freien Radikalen aus der Luft. Bevorzugen Sie grundsätzlich Bioprodukte, damit weniger Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und anderen Schadstoffen auf Ihrem Teller landen. Wer keine Milchallergie hat, sollte regelmäßig probiotische Milchprodukte und andere probiotische Produkte zur Unterstützung einer gesunden Darmflora verzehren. Letztere steht in engem Zusammenhang mit dem Hautbild, denn ist die Funktion des Darmes zum Beispiel durch die Einnahme von Antibiotika gestört, werden Entgiftungsprozesse auf andere Organe verlagert. Über die Haut ausgeschiedene Stoffe können dann Irritationen auslösen.

Ernährung bei Neurodermitis: Einmal zugreifen bitte!



Häufig gut vertragen wird:

Brot und Getreideprodukte: Backwaren und Müslis aus Hirse, Dinkel, Hafer, Buchweizen, Quinoa, Amaranth oder Reis; Pasta aus Dinkel (ohne Ei)

Gemüse und Co: Kartoffeln, Blattsalate, die meisten Kohlsorten, Kürbis, Mais, Mangold, Pilze, Rote Bete, Salatgurke, Spargel, Zucchini, in Maßen werden oft auch Bohnen, Erbsen, Spinat und Linsen gut vertragen

Obst: Trockenfrüchte ohne Zuckerzusatz (allerdings nicht die Sorten, bei denen evtl. eine Allergie besteht), süße Apfelsorten, Aprikosen, Heidelbeeren, Mango, Wassermelone, Birnen und grüne Bananen

Fette und Öle: kaltgepresste, unraffinierte Pflanzenöle wie etwa Lein-, Raps-, Hanf- oder Olivenöl, ungehärtetes Kokosfett
Getränke: Wasser, grüner Tee. Reisdrinks, in Maßen Schorlen von milden Fruchtsäften