Ätherische Öle: Echt dufte für die Gesundheit

Ätherische Öle werden seit Jahrhunderten als Heil- und Würzmittel genutzt. Heute belegen Studien die Wirkung. So nutzen Sie das Potential der Pflanzenstoffe.
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Ein einziger Tropfen Rosenöl enthält die Essenz aus 30 Blüten. Er macht aus meinem Milchreis ein echtes Seelenfutter, gibt einen zart blumigen Geschmack und sorgt bei mir für ein Gefühl der Entspannung und Zuversicht. Denn, dass ätherische Öle einen starken Einfluss auf unser Wohlbefinden haben, ist mittlerweile wissenschaftlich bewiesen. Ihre Inhaltsstoffe gelangen über Riechzellen auf direktem Wege zum Zentralen Nervensystem, beruhigen oder aktivieren das Gehirn, fördern unsere Konzentrationsfähigkeit, sorgen für gute Laune oder beeinflussen unter anderem auch, ob wir Appetit bekommen. Aber die konzentrierte Pflanzenpower kann noch mehr: Duftforscher Prof. Dr. med. Hanns Hatt von der Ruhr-Universität Bochum fand heraus, dass Riechzellen überall in unserem Organismus vorkommen. Die Aromen gelangen also nicht nur über Nase und Mund, sondern auch über die Haut und die Nahrung ins Blut und entfalten von dort aus ihre Wirkung im gesamten Körper. Mit diesem Wissen sehe ich mein süßes Dessert in Zukunft als echtes Fitfood.

Duftlampe, Pflegeöl, Tropfen: Wirkung von Lavendelöl und Co


Wissenschaftliche Belege zu den Effekten der Aromatherapie gibt es mittlerweile reichlich. Da wäre zum Beispiel Studien zur Raumbeduftung wie das Projekt "Dufte Schule". Hier wurde im Auftrag der Firma Taoasis untersucht, ob ein Mix aus hochwertigen natürlichen Ölen von Zitrone und Lavendel im Klassenzimmer die Leistungen und die Stimmung der Schüler beeinflusst. Das Ergebnis der Studie war deutlich: Von den 1000 Schülerinnen und Schülern an über 30 unterschiedlichen Schulen gaben 41 Prozent an, sich im "duftenden" Klassenraum besser konzentrieren zu können und 38 Prozent der Befragten fanden auch die Stimmung in der Klasse besser. Das Gegenteil bewirkt laut der Forschergruppe um Hanns Hatt Gardenia Acetal. Der nach Jasmin duftende Stoff spricht im Gehirn die gleichen Rezeptoren an wie Barbiturate und Benzodiazepine, wirkt beruhigend und fördert den Schlaf. Besonders interessant für Krankenhäuser, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen: In Räumen, die nach natürlichen Aromen wie Lavendel, Orange, Thymian, Eukalypthus, Nadelhölzern oder auch Bohnenkraut riechen, sinkt die Belastung durch Bakterien, Viren und Pilze nachweisbar. Auch für den Effekt von äußerlichen Anwendungen gibt es diverse Studien.nSo ist laut einer Studie der Universitätsklinik Kiel eine Einreibung mit Pfefferminzöl auf Stirn und Schläfen bei Spannungskopfschmerzen genauso effektiv wie der Wirkstoff Paracetamol. Kürzlich konnten die Wissenschaftler des Institutes für Zellpyhsiologie in Bochum belegen, dass menschliche Hautzellen direkt auf Sandalore-Duft reagieren und so wichtige Erkenntnisse für die Wundheilung und Hauterneuerung gewinnen. Eine Forschergruppe der Universität Würzburg fand heraus, dass besonders die Kombination aus Eukalyptus, Kamille und Salbei gut im Kampf gegen Schnupfen und Husten ist. Gegen Verdauungsbeschwerden ist Zimt- oder Kümmelöl ein bewährtes Hausmittel. Nicht zuletzt sind diese Zutaten Hauptbestandteil vieler pflanzlicher Medikamente im Apothekenregal.


Bioqualität hat die Nase vorn


Es lohnt sich also, eine Auswahl an individuell abgestimmten Aromaölen im Haus zu haben. Franziska Dönnecke, Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie, Naturheilkunde und Homöopathie: "Achten Sie auf eine gute Qualität. Synthetische Aromaöle sind zwar günstig, aber sie haben auch nicht das große Wirkspektrum der naturreinen Stoffe." Auf dem Etikett von empfehlenswerten Sorten steht die Bezeichnung "100 % ätherisches Öl", "100 % naturrein". Dass es sich bei dem Produkt um besonders hochwertige Ware aus biologischem Anbau handelt, erkennt man oft nur an dem Kürzel "kbA". Steht auf dem Etikett "authentisch" oder kurz "a", bedeutet dies, dass das Öl nur aus der auf dem Label genannten Stammpflanze gewonnen wurde.
"Da die kostbaren Pflanzenauszüge sehr empfindlich sind, bewahrt man sie am besten in braunen, gut verschlossenen Fläschchen an einem kühlen Platz auf. Blütenöle halten sich bis zu drei Jahre, Zitrusöle sollten innerhalb von zwei Jahren verbraucht werden", erklärt Franziska Dönnecke.
WIE EINFACH!-Tipp: Verwenden Sie Raumdüfte nur intervallartig z.B. Lavendel eine halbe Stunde vor dem Schlafen gehen. Für die Hautpflege sollten die naturreinen, konzentrierten Öle verdünnt z.B. mit Beautyölen aufgetragen werden. Testen Sie die Verträglichkeit erst an einer Stelle z.B. in der Armbeuge, bevor Sie den ganzen Körper behandeln. Wichtig: Nicht alle Pflanzenöle sind für Kinder und Babys oder Allergiker verträglich. Deshalb immer vorab den (Kinder)Arzt befragen.


Kochen mit ätherischen Öle: Wellness von Innen


Fünf Tropfen Rosmarinöl im Focacciateig, 1 Tropfen Lemongrasöl in der Mangocreme, Minz- und Limettenöl im Smoothie oder etwas Salbeiöl im Kartoffelpüree: Aromatherapie schmeckt köstlich. Damit sie auch gesund ist, sollten in der Küche nur lebensmittelzertifizierte, biologisch erzeugte Aromaöle verarbeitet werden. Ein Tipp von der Apothekerin: "Damit wertvolle Inhaltstoffe nicht durch Hitze zerstört werden, sollte man die ätherischen Essenzen erst am Ende der Garzeit zufügen." Wichtig für die Dosierung: Erst in Verbindung mit Fetten zum Beispiel aus Butter, Eigelb, Sahne oder Alkohol und Essig entfalten die Substanzen ihren vollen Geschmack. Bei vielen Speisen reicht schon ein Tropfen für das gewisse Etwas. Um etwa ein Gewürzöl aus 50 ml Rapsöl herzustellen braucht man nur 5 Tropfen reines Rosmarinöl.
WIE EINFACH! Tipp: Verwenden Sie zum Kochen am Anfang Ihrer Experimentierphase Aromen, die Sie sonst auch in der Küche nutzen z. B Zimt, Basilikum, Minze, Rosmarin, Vanille, Zitrone oder Ingwer. Viele Anregungen finden Sie in dem Buch "Aroma Küche" von Susanna Färber, Kosmos Verlag. Es enthält 44 vegane Rezepte und zwei köstliche Öle in Bioqualität.

Zitrusöl und Co: Die gängigsten Aromaöle und ihre Wirkung



Anisöl: wirkt krampf-und schleimlösend. Bei Bauchschmerzen hilft eine Massage mit einem mit Öl verdünnten Anisöl.

Basilikumöl: ist ein köstliches Würzmittel. Es wirkt belebend, erwärmend, entkrampfend und entzündungshemmend, entspannend und schmerzlindernd bei Menstruations- und Magenkrämpfen.

Benzoeöl: wird aus dem Harz des Benzoebaumes gewonnen und lindert als Cremezutat Reizungen und Entzündungen der Haut.

Bergamotte: Der zitrusartige Duft wirkt belebend, erfrischend und stimmungsaufhellend.

Cajeputöl: Erinnert im Duft an Eukalyptus und wirkt schmerzstillend, schleimlösend und antiseptisch. Als Dampfinhalat oder Einreibung der Brust hilft es bei Erkältungen. Als Bestandteil eines Massageöls hat es schmerzlindernde Eigenschaften.

Eukalyptusöl: Der kampferartige Duft befreit die Atemwege. Äußerlich angewendet hilft es bei Muskelverspannungen und Gelenkschmerzen.

Fichtenöl: Eine Einreibung mit dem verdünnten Öl lindert Entzündungen und Muskelkater. Der Duft befreit die Atemwege.

Geranie: Das Öl ähnelt im Duft der Rose und sorgt für Gelassenheit und Ruhe. Äußerlich angewendet ist Geranienöl antibakteriell und fördert die Wundheilung.

Ingwer: wirkt erwärmend, anregend und krampflösend. Weil es die Durchblutung fördert, hilft ein Einrieb mit in Weingeist verdünntem Ingwer-Öl gegen Muskelverspannungen.

Jasmin: Der Duft des Öles beruhigt und löst Ängste. Außerdem wird es in Pflegeölen gegen trockene und rissige Haut eingesetzt.

Kamillenöl: ist entzündungshemmend und heilungsfördernd und wird deshalb z.B. in Mundspülungen eingesetzt. Im Inhalat hilft es bei Erkältungen.

Lavendelöl: Als Raumduft wirkt es gegen Pilze, Insekten, Zecken und Milben, es ist Bestandteil pflanzlicher Medikamente gegen Schlafstörungen, Magen- und Darmbeschwerden und wird als Creme und Co zur Wundbehandlung eingesetzt.

Lemongras: Das Öl duftet erfrischend und hellt die Stimmung auf z.B. im Massageöl.

Orangenöl: Ein belebendes Gute-Laune-Öl. Als Raumduft reduziert er das Wachstum von Keimen. In Massageölen hilft es gegen Orangenhaut.

Pfefferminzöl: Die Einreibung von Stirn und Schläfen mit verdünntem Pfefferminzöl hilft nachweislich bei Spannungskopfschmerzen. Als Speisezutat hilft es bei der Verdauung.

Rosenöl: Der Duft der Rose wirkt beruhigend und hilft gegen Kopfschmerzen. Innerlich angewendet hilft verdünntes Rosenöl bei Übelkeit. Äußerlich lindert es Wunden, Herpes und Ekzeme.

Rosmarinöl: ist anregend, blutreinigend und krampflösend. Als Zutat hilft es bei der Verdauung, in Massageölen fördert es die Durchblutung und lindert Muskel- und Gliederschmerzen

Sandelholz: duftet süss, warm, exotisch- erdig und ist so ein guter Raumduft zum Entspannen. Es wirkt als Zusatz zu Pflegecremes und -Ölen entzündungshemmend und lindert Juckreiz.

Thymianöl: fördert als Zutat im Essen die Verdauung. Wirkt als Bestandteil von pflanzlichen Hustenmedikamenten und Inhalat schleimlösend und entzündungshemmend. Achtung: Darf nicht bei Babys- und Kleinkindern angewendet werden!

Vanille: Das süß-liebliche Aroma sorgt für die Ausschüttung von Glückshormonen und entspannt.

Zitronenöl: der Duft wirkt anregend, stimmungsaufhellend und fördert die Konzentration.

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