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Fahrradurlaub in Deutschland

Fahrradurlaub in Deutschland ist so angesagt wie noch nie.
WIE EINFACH! sagt, wie auch Einsteiger auf dem Rad glücklich werden.

Fahrradurlaub in Deutschland
Foto: Thinkstock

Viel frische Luft, die Nähe zu Natur, das Entdecken neuer Orte - ein Fahrradurlaub in Deutschland hat viel zu bieten. Wohl deshalb entdecken immer mehr Menschen diese umweltfreundliche Art, Landschaften, Regionen oder auch Metropolen zu erkunden. Dafür braucht man gar nicht extrem sportlich zu sein, denn auch für Einsteiger oder Familien mit Kindern gibt es hierzulande das passende Angebot. Worauf es ankommt und wie auch Ihr erster Radtrip zum echten Vergnügen wird, haben wir Kristine Simonis, Expertin für Radreisen vom Anbieter Radissimio gefragt.

WIE EINFACH!: Es scheint, als würden mehr Menschen mit dem Rad reisen? Ist dieser Eindruck richtig?


Kristine Simonis: Der Eindruck täuscht nicht. In der Tat freuen wir uns in den letzten Jahren über eine zunehmende Nachfrage. Radfahren im Urlaub wie im Alltag wird immer beliebter. Begünstigt wird dies durch E-Bikes, Lastenräder, Kinderanhänger, Eltern-Kind-Tandems etc., die auch ungeübteren Radlern und Familien einen unbeschwerten Radurlaub ermöglichen. Radfahren lässt sich inzwischen in Europa fast überall sehr gut. Für jeden ist eine passende Radreiseart zu finden: Sternfahrten von einem festen Standort aus, Strecken- oder Rundreisen, Rad- und Schiffstouren. Und es ist für jeden Radler was dabei: ob gemütlich mit dem Pedelec oder E-Bike, mit dem üblichen Trekking- oder Tourenrad oder sportlich mit dem Mountainbike und Rennrad.

WIE EINFACH!: Was ist das Reizvolle an dieser Art von Urlaub ?


Kristine Simonis: Sie können eine recht weite Strecke im Vergleich zum Wandern zurücklegen und sind immer hautnah in Kontakt mit der Landschaft, der Kultur und den Menschen am Wegesrand. Wenn dann noch eine gemütliche Unterkunft mit gutem Essen und nette Mitradler dazu kommen, ist die Erholung perfekt.

WIE EINFACH!: Wie können Einsteigern ausprobieren, ob Ihnen ein Fahrradurlaub gefällt?


Kristine Simonis: Ein Kurztrip übers Wochenende ist eine tolle Sache, um auf den Geschmack zu kommen. Das geht auch prima von zu Hause aus.
Wer gleich eine Wochentour ausprobieren will, dem sei eine kombinierte Rad- und Schiffsreise oder eine Sternfahrt empfohlen. Hier lässt sich auch mal ein radfreier Tag einlegen, wenn Wetter oder Fitness nicht mitspielen.
Bei Rund- oder Streckenreisen lieber das Tagesziel etwas niedriger stecken und kürzere Tagesetappen planen, denn verlängern lässt sich die Radtour mit Abstechern in der Regel immer. Und Gepäcktransport von Unterkunft zu Unterkunft macht das Ganze besonders angenehm.

WIE EINFACH!: Worauf sollte man achten, wenn man Kinder auf der Tour dabei hat?


Kristine Simonis: Bei Familienreisen ist es besonders wichtig, dass es Spannendes am Wegesrand zu entdecken gibt (je nach Alter der Kinder: Spielplatz, Klettergarten, Burgen, Schwimmbad, Eisdiele, Museum, Abenteuer-/Märchenpark), ausreichend Pausen eingeplant werden und die Tagesetappen nicht zu lang sind. Günstig ist es auch, wenn das Gepäck nicht selbst transportiert werden muss und es notfalls Abkürzungsmöglichkeiten mit Bus, Bahn oder Schiff gibt. Urlaubsfreude für große und kleine Pedalritter kommt erst auf, wenn die Kinder ausreichend Abwechslung und Spaß haben.

WIE EINFACH!: Was darf bei einer mehrtägigen Radtour ohne Gepäcktransfer in den Satteltaschen nicht fehlen?


Kristine Simonis: Spaß macht Radfahren vor allem mit guter und passender Kleidung, die sich notfalls auch in mehreren Schichten tragen lässt: Radlerhose, Trikot, Funktionswäsche und winddichte Jacke. Hier gilt lieber Kilos sparen und regelmäßig waschen. Das klappt mit der schnelltrocknenden Funktionskleidung bestens. Fürs verkehrssichere und gewartete Fahrrad sollte auch mit einem Reparaturset gesorgt sein (Werkzeug, Ersatzschlauch, Luftpumpe etc.). Auch im Zeitalter von Smartphones und GPS-Geräten empfehle ich immer eine Karte zur Übersicht und falls der Akku mal schlappmacht. Ein Helm und Regenkleidung kommt natürlich auch immer mit. Nutzen Sie einfach eine die Checklisteauf unserer Seite.

WIE EINFACH!: Was sind Ihrer Meinung nach die drei schönsten Radrouten in Deutschland?


Kristine Simonis:Eine Hitliste ist schwierig, denn die Auswahl in Deutschland ist sehr groß. Ich entscheide mich für drei einzigartige Touren, die für Groß und Klein sehr viel bieten: Der Ruhrtal-Radweg mit Route der Industriekultur, die Ostseeküste oder die Region am Bodensee.


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Reisebericht: Mit dem Bike an der Nordseeküste


Die Planung für unseren ersten Fahrradurlaub in Deutschland ging ganz fix. Anfang des Jahres wurde entlang der Nordseeküste drei passende Unterkünfte gebucht und die Zugtickets gekauft. Direkt vor der Abfahrt blieb uns nur noch die Satteltaschen mit allem zu bestücken, was Frau für drei Tage an der Nordsee braucht. Eine Karte ist im Reiseführer, aber es ginge in unserem Radelrevier auch ohne. Der einzige Gegenspieler, der an diesem Wochenende unberechenbar ist und bleibt: das Wetter. Es ist wechselhaft, als wir unsere Räder am Bahnhof Bredstedt auf den Bahnsteig stellen und dann gen Küste bewegen. Der Wind bläst uns den gesamten Weg entlang ins Gesicht, so dass wir kräftig in die Pedale treten müssen, bis wir unsere Unterkunft in der Nähe von Dagebüll erreichen. Für heute haben unsere Bikes Pause. Wir erkunden die Gegend lieber zu Fuß, genießen den Blick auf das graue Meer und kehren dann ins Restaurant unserer Unterkunft ein. Nach so viel körperlicher Bewegung schmeckt das hervorragende Labskaus mit Spiegelei gleich doppelt gut.
Am nächsten Morgen nieselt es leicht, als wir um 10 Uhr auschecken. Dafür ist der Wind schwächer, so dass wir ohne Geschaukel mit der Fähre auf die Insel Amrum kommen. Dort fahren wir bei zartem Sonnenschein durch niedliche Friesendörfer und warten im wunderschönen Nebel den einsetzenden Regen einfach in einer gemütlichen Teestube ab. Als sich die Wolken wieder vollständig lichten, sitzen wir im Strandkorb am breiten Strand von Norddorf und blicken bei einem Glas Wein in die Weite. Die Hälfte des Wochenendes liegt hinter uns, als wir uns am Sonntagmorgen um 8 Uhr für das Frühstück bereit machen. Zwischen Ei und Marmeladenbrötchen geben wir unser nächstes Etappenziel ins Internet ein und schauen uns an, wie wir dorthin gelangen. Wir wollen von Dagebüll aus die Westküste Richtung Norden hochradeln und dann mit dem Zug nach Sylt übersetzen. Also geht's zurück zum Fährhafen und dann über die windige Nordsee nach Dagebüll. Von dort radeln wir durch Kornfelder und Marschwiesen die 20 Kilometer bis nach Klanxbüll. Beim Warten auf den Zug kommen wir mit anderen Fahrradreisenden ins Gespräch. Alle sind begeistert, trotz des wechselhaften Wetters. Der Tenor: Wer mit dem Fahrrad reist, ist näher dran. Sieht Dinge, die man sonst gar nicht entdecken würde. Wir stimmen zu. Es ist schon schummrig, als wir unsere Unterkunft in Westerland erreichen. Mit knurrendem Magen stellen wir die Räder ab und verstauen unser Gepäck im gemütlichen Zimmer. Die Inselmetropole lockt mit vielen Restaurants, so dass wir uns erst gar nicht entscheiden können. Am Ende wählen wir das "Mariso" und gönnen uns ein saftiges Steak mit Salat. Nach einem kurz Marsch ans Meer, geben wir der Müdigkeit nach und machen es uns in unserer Unterkunft gemütlich.
Am nächsten Morgen begrüßt uns das Meer mit einer kräftigen Brandung. Wir checken den Wind und beschließen unsere letzte Biketour in Richtung Süden zu beginnen. Bei herrlichem Rückenwind geht's am Rantumerbecken entlang und dann zu einem kleinen Bummel durch die Stadt. Nach dem Verstauen unserer Mitbringsel verschließen wir am Bahnhof ein letztes Mal die Satteltaschen und heben unsere Bikes in den Zug 'gen Heimat. Wie schade, denn es gäbe noch so viel mehr zu entdecken. Zum Glück ist der Termin für die nächste Tour schon im Kalender eingetragen.


Von Inga Paulsen

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