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Kinder und Taschenmesser: eine gute Idee

Taschenmesser in Kinderhänden schraubt den Puls vieler Eltern in die Höhe. Doch ist es wirklich so gefährlich? Studien zeigen das Gegenteil.

Kinder und Taschenmesser: eine gute Idee
Foto: plainpicture

Jacob ist ein blonder, kleiner, frecher Junge. Und für sein Alter erstaunlich vernünftig. Kürzlich kam er allerdings auf die Idee, sein neues Hochbett anzusägen. Mit dem Schweizer Taschenmesser, das er gerade zum sechsten Geburtstag bekommen hatte. Seine »Schnitzarbeit« hat ihm einen ordentlichen Rüffel und seinen Eltern ein paar Selbstzweifel beschert: Ist es wirklich so schlau, einem Sechsjährigen ein eigenes Taschenmesser anzuvertrauen? Erziehungswissenschaftler sind sich erfrischend einig. Auf jeden Fall, finden sie. Voraussetzung: Man stellt klare Spielregeln auf und hat diese vorher deutlich mitgeteilt.

Der Schweizer Naturpädagoge und Buchautor Felix Immler nennt Gründe, warum es durchaus sinnvoll sein kann, den Nachwuchs möglichst früh ins Boot zu holen: »In der heutigen Zeit ist es wichtig, den Kindern neben all den vorgefertigten Konsumgütern die Möglichkeit zu geben, mit eigenen Händen Gegenstände zu schaffen«, sagt er. Ein kreativer Prozess also, der eine Menge Synergieeffekte im Schlepptau hat. Denn Schnitzen schult offensichtlich die Konzentrationsfähigkeit, die Feinmotorik und Koordination und darüber hinaus die muskuläre Entwicklung der Hände und das Formgefühl. Aber das Wichtigste ist, dass sich der bewusste Umgang mit scharfen Klingen positiv auf das Verantwortungsgefühl für das eigene Handeln auswirkt. Das konnten auch Studien zeigen, die archaische Kulturen zum Forschungsgegenstand hatten. Indio-Kinder am Amazonas etwa bekommen schon mit zwei Jahren scharfe Messer und spitze Pfeile in die Finger. Und Kinder eines Volksstammes in Indonesien erhalten scharfe Macheten - ebenfalls im zarten Alter von zwei Jahren.


Einsteiger-Modell: Für den allerersten Umgang gibt es die Light-Variante - ein Messer mit scharfer Klinge, aber abgerundeter Spitze.
Auch wenn allein die Vorstellung einer solchen Ausrüstung einige Mütter hysterisch werden lässt - der Witz ist: In beiden Kulturen haben Ethnologen nie beobachtet, dass Kindern Fingerkuppen fehlten oder sie schwere Verletzungen davongetragen hätten. Daraus folgerten die Wissenschaftler: Wenn man Kindern schon früh Verantwortung für ihre Sicherheit in die eigenen Hände legt, übernehmen sie diese Verantwortung auch. Hat man dagegen ständig die Befürchtung, sie könnten sich verletzen, tun sie das meist, weil sie früher oder später dieser Dauer-Erwartungshaltung entsprechen. Außerdem lernen sie, dass nicht sie selbst, sondern ihre Eltern die Verantwortung für sie übernehmen.

Fazit: Vertrauen ist gut, eine verantwortungsbewusste Kontrolle aber auch. Die folgenden acht Sicherheitsregeln sind deswegen laut Immler ein Muss. Und sie sollten als klare Ansage kommuniziert werden, von denen es keine Ausnahmen gibt.

Acht Regeln für sicheres Schnitzen



Mit scharfer Klinge schnitzen
Scharfe Klingen arbeiten präziser. Man braucht weniger Kraft und kann nicht so leicht abrutschen.

Nur im Sitzen schnitzen
Schnitzen erfordert Ruhe und Konzentration. Das funktioniert nur an einem festen Ort. Lebensgefährlich: mit offener Klinge durch die Gegend stolpern.

Abstand halten
Für Schnitzarbeiten braucht man Platz. Man darf nicht in die Nähe anderer kommen oder dabei angestoßen werden. Deshalb lautet die Regel: eine Armlänge Abstand in alle Richtungen.

Vom Körper weg schnitzen
Bevor kleinere Kinder die Feinmotorik wirklich draufhaben, ist dies eine wirklich sinnvolle Regel.

Nur ein Werkzeug ausklappen
Werkzeuge, die nicht in Gebrauch sind, unbedingt eingeklappt lassen. Die Verletzungsgefahr steigt mit jeder Klinge, die draußen ist.

Geschlossen übergeben
Immer die Klinge einklappen, bevor man sein Messer einem anderen in die Hand gibt.

Keine Bäume anritzen
Die Rinde eines Baumes ist seine Schutzhülle. Verletzt man sie, können Keime eindringen und den Baum beschädigen.

Messer sind keine Waffen!
Das Messer ist ein Werkzeug, niemals Lebewesen bedrohen!


Von Franziska Wischmann

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