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Ohne Smartphone auf Entzug

Für manche Menschen ist das Smartphone zum Lebensinhalt geworden. Ohne WLAN sind sie wie auf Entzug. Erkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.

Ohne Smartphone auf Entzug
Foto: Gallery Stock

Willkommen in der realen Welt
Neulich in einem winzigen Ort im Norden Kanadas. 5 Tage Schulausflug und zwar offline. Was im Vorfeld auf großen Widerstand gestoßen war, entpuppte sich als Goldidee. Für die 15- bis 18jährigen Internatsschüler eine ungewohnte Erfahrung mit ungeahntem Potential. Statt ständig zu chatten und zu posten, ließen sie sich auf so einfache Sachen wie gemeinsames Schlittenfahren und Eishockeyspielen ein. Und waren begeistert: "Es waren die besten fünf Tage meines Lebens," resumiert die 16jährige Noa. "Wir haben uns miteinander beschäftigt, statt vor dem Display abzuhängen. Ich habe völlig neue Leute kennen gelernt. Einfach genial!” Ja, könnte so schön und einfach sein.

Ist es aber nicht. Im täglichen Leben gelten offensichtlich andere Gesetze. Und die haben viel mit der Macht der Gewohnheit zu tun. Längst ist für eine wachsende Zahl der Bevölkerung, die übrigens immer jünger damit beginnt, das Smartphone zur Verlängerung des Armes geworden. Viele Jugendliche legen es praktisch kaum noch aus der Hand. Der letzte Blick vor dem Einschlafen fällt auf das Display und der erste beim Aufwachen. Mancher merkt gar nicht mehr, dass er kaum noch ohne kann. Statt miteinander zu sprechen, wird nur noch gechattet - absurderweise auch, wenn man nebeneinander sitzt. Oder man kommuniziert in Snapchat-Stories, in Bildergeschichten ohne Worte. Statistisch lässt sich das folgendermaßen auswerten: Im Schnitt kommen wir auf 71 Minuten pro Tag, 88 Mal haben wir das Handy in die Hand genommen. Wohlgemerkt: im Durchschnitt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass vor allem Jugendliche weit über diesen Werten liegen.

Scheinbare Sicherheit statt echter Erfahrungen
Man macht sich nicht bewusst, was man alles verpasst: Zu viel Online-Kommunikation verhindert wertvolle Erfahrungen und tiefe Bindungen. Die Auswirkungen auf Beziehungen haben sogar schon einen Namen: Phubbing. Übersetzt bedeutet das, wenn der ständige Gebrauch des Smartphones die Partnerschaft gefährdet. Forscher um den bekannten amerikanischen Erziehungswissenschaftler Howard Gardener beobachten, dass sich Heranwachsende heute tatsächlich anders entwickeln. Durch den Gebrauch von Apps fehlen ihnen wichtige, für die Entwicklung prägende Erlebnisse. Zum Beispiel so etwas Einfaches wie sich ganz allein und ohne Google Maps zurecht zu finden. Dafür muss man fremde Menschen ansprechen, sich orientieren lernen, einen Moment der Ungewissheit aushalten. Oder eine Situation mal ganz allein durchstehen, gleichgültig, wo und wie weit weg von Zuhause man sich befindet. Einsamkeit. Alles Dinge, die stärker machen. Gardener hält Jugendliche heute im Vergleich zu älteren Generationen für weniger selbstständig, für ängstlicher, misstrauischer und weniger emphatisch.

Auch mit der Identität ist das so eine Sache. Wie soll man einen tragfähigen Kern entwickeln, wenn man sich ständig dazu gezwungen sieht, ein bestimmtes Bild von sich zu produzieren? Medienwissenschaftler sehen das Internet als eine Welt der Marken, in der nichts mehr echt ist: nicht die getunten Fotos, nicht die hübschen und coolen Szenarien, nicht die Masse der Selfies mit "echten Freunden”, die sich in Wirklichkeit nur für einen Post arrangiert haben.

Realität statt Virtualität
Klar, hat das auch noch andere Auswirkungen. Permanentes Klingeln und Vibrieren unterbricht Abläufe, Gedankengänge, Unterhaltungen, Ruhe, Konzentration. Warum man das Ding nicht einfach mal ausschalten kann? "Ich habe ständig das Gefühl, etwas Wichtiges zu verpassen,” gibt der 18jährige Daniel zu. Und sein Freund Leon ergänzt: "Das Leben läuft in Gruppen und Foren ab. Man hat den Druck, dazu gehören zu wollen."

Doch wie Daniel und Leon ahnen inzwischen viele andere auch, dass es offline so viel weniger Stress geben könnte. Oder sie sind überrascht von schönen Offline-Momenten wie Noa im fernen Kanada. Der erste Weg aus dem Dilemma: das Smartphone Liegenlassen lernen. Dafür gibt es inzwischen sogar neue Apps mit so bezeichnenden Namen wie Checky und Moment. Die tracken gnadenlos, wie häufig man in einer Übersprungshandlung zum Smartphone greift, ganz unbewusst und ohne es selbst zu merken. Die nächste Stufe der Erlösung? Smartphonefreie Verabredungen mit Freunden treffen. Oder sogar einen ganzen Urlaub planen, den man ausnahmslos zur handyfreien Zone erklärt. Was am Ende dabei herauskommt? Mit der Erfahrung belohnt zu werden, wie viel schöner das echte Leben ist!


Von Franziska Wischmann



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