Schweigen im Kloster: So geht's!

Schweigen im Kloster - ob alleine oder gemeinsam bei einem Schweigeseminar: Wir verraten, wie das Abschalten in der Stille am besten gelingt.
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Foto: plainpicture/K. Synnatzschke

Schweigeseminar im Kloster


Nicht ohne Grund heißt es: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Doch in Zeiten von multimedialer Dauerbeschallung und permanenter Reizüberflutung müssen wir das Abschalten und Schweigen erst wieder lernen. Wer diesen Bewusstseinszustand noch einmal von Grund auf erfahren und aushalten lernen möchte, ist in einem Kloster sehr gut aufgehoben. Denn dort wird das Leben in der Stille sowie der Verzicht auf sämtliche Außenreize, Ablenkungen und Störfaktoren nicht erst seit der Erfindung des Smartphones praktiziert, sondern seit vielen Jahrhunderten. Hektik, Termine, das Getöse des Alltags bleiben draußen - inklusive Netflix, Facebook, Whatsapp, Bücher und Zeitungen. Stattdessen lernen Interessierte das Sein in seiner einfachsten Form kennen, ohne sich ablenken zu können. Nicht gerade einfach, aber wir verraten, wie Schweigen im Kloster gelingen und zu einer bereichernden Erfahrung werden kann.

Falsche Erwartungen und Vorstellungen


Anstatt sich im Vorfeld genauestens auszumalen, was mit Ihnen im Zuge der Schweigeerfahrung geschehen wird, sollen Sie einfach abwarten und sich entspannt auf den Schweige-Selbstversuch einlassen. Auch die hohe Erwartung, spirituelle oder erleuchtungsähnliche Erfahrungen zu machen, setzt nur unnötig unter Druck. Apropos falsche Erwartungen: Ein Klosteraufenthalt ist kein Wellness-Urlaub, sondern harte Arbeit. Und zwar in erster Linie Arbeit am Selbst. Nicht wenige Menschen brechen ein Schweigeseminar bereits nach kurzer Zeit (manchmal schon nach Stunden) ab, weil sie sich nicht darüber klar waren, dass solch eine Erfahrung enorm herausfordernd ist.
In Zeiten, in denen das Schweigen längst zu einem einträglichen Geschäftsmodell geworden ist, gibt es inzwischen natürlich auch zahlreiche Anbieter, die neben Meditation und Schweigen auch Shiatsu-Massagen und Sauna im Angebot haben. Klöster, dies es ernst meinen, bieten jedoch einen archaischen spirituellen Rückzugsort an, ohne jegliches Verwöhn-Programm.

Stille und Langeweile


Womit wir auch schon beim nächsten und wichtigsten Punkt wären: Wer sich auf ein Schweigeseminar einlässt, sollte sich bewusst machen, dass die Tage oder Wochen im Kloster alles andere als ein einfacher Spaziergang werden (auch wenn man viel spazieren geht), sondern dass man höchstwahrscheinlich in kürzester Zeit an seine Grenzen geraten wird. Wer einmal einen Selbstversuch unternommen hat, wird ziemlich schnell feststellen, dass Stille ganz schön laut sein und zu Gedankenstürmen führen kann. Quasi der Sturm in der Ruhe. Es bedarf also vor allem Geduld und Durchhaltevermögen, um die Stille, beziehungsweise das Wechselbad aus lauten Gedanken und Langeweile (die aus der langen Weile resultiert) annehmen und akzeptieren zu können. Erst wer diese erste Hürde genommen und gelernt hat, innere Unruhe, Nervosität sowie Überforderung mit dem Selbst zu ertragen, ist bereit für die nächste Stufe.

Festes Regelwerk


Der Lebensrhythmus im Kloster hat mit dem eigenen herzlich wenig gemein: Wer zum Schweigen und Meditieren in ein Kloster einkehrt, wird mit einem festen Regelwerk wie der (sehr frühen) Morgenmeditation oder dem Morgengebet, mit festgelegten Essenszeiten, vorgegebenen Arbeitszeiten und Aufgaben wie Gartenarbeit, Putzen oder Kochen und einer Abendandacht konfrontiert. "Man wird mit seinem Innersten konfrontiert, mit den Sehnsüchten, den verborgenen Wünschen und auch mit den dunklen Seiten", erläutert Bruder Rudolf Leichtfried vom Kapuzinerkloster Irdning in Ennstal im Gespräch mit Zeit-Autor Florian Gasser. "Durch diese Struktur, die reizarme Umgebung wird man schnell geerdet, kann sich auf sich selbst konzentrieren und findet zur inneren Ruhe", so der Klosterbruder. Das Regelwerk gleicht einer Meditation und bewirkt, dass sich unsere Sinne schärfen und wir deutlich empfindsamer und empfänglicher werden - für Geräusche, Gerüche und vor allem für die eigenen Wünsche und Gedanken.

Perspektivwechsel und Achtsamkeit dank Verzicht


Der Verzicht auf jegliche Form der Ablenkung schafft einen neuen, ungeahnten Freiraum. Denn in der vermeintlichen Leere entsteht Raum für Achtsamkeit. Wir kommen den eigenen Bedürfnissen auf die Spur und im Idealfall stellt sich mit der Zeit ein Gefühl der Ruhe, Ausgeglichenheit und Demut ein. Vermeintlich unlösbare Aufgaben oder Herausforderungen erscheinen in einem neuen Licht und bekommen eine vollkommen andere Gewichtung.

Meditation und Atemübungen


Regelmäßige, ausdauernde Meditationen und Atemübungen fördern diesen entspannten Zustand der inneren Einkehr. Wer noch nie meditiert hat, findet hier hilfreiche Einsteiger-Tipps: Meditieren lernen - so geht's!

Die Natur - dein Freund und Helfer


Das Gleiche gilt für Spaziergänge an der frischen Luft und ausgedehnte Aufenthalte in der Natur - auch sie wirken wie ein Katalysator und sind Balsam für unsere Seele beziehungsweise für unser überstrapaziertes Nervensystem. Die Farbe Grün wird eine beruhigende Wirkung nachgesagt: Der Anblick und Geruch von Wald, Wiesen und Bäumen hat nachweislich eine ausgleichende Wirkung und wirkt sich nicht nur positiv auf unser Gemüt sondern auch auf unseren Organismus aus. Und auch im Herbst und Winter stellt die Natur die perfekte Kontemplations-Kulisse dar: Der Duft von Herbstlaub, das Geräusch von knirschendem Schnee unter den Füßen, das Plätschern eines Baches und das Knarzen eines Baumes im Wind holen uns ins Hier und Jetzt und schenken uns Erdung.

Anbieter für Schweigeseminare


Inzwischen gibt es unzählige Anbieter für Schweigeseminare aller Art. Die Angebote sind enorm vielfältig und reichen von Einführungen in den Zen-Buddhismus, über 10-tägige Fasten- und Schweigekurse bis hin zu 3-tägigen Schweigeseminaren oder Wochenendkursen zu Mediation und Achtsamkeit. Außerdem gibt es sowohl Gruppen- als auch Einzelangebote. Von daher sollten Sie zunächst unbedingt definieren, was Sie sich am meisten wünschen, in welchem Rahmen die Schweige-Erfahrung stattfinden soll und wie lange Sie sich auf das Entschleunigungs-Experiment einlassen wollen und können. Möchten Sie gerne in der Nähe bleiben oder ziehen Sie ganz bewusst einen Ortswechsel vor? Als sehr hilfreich erweisen sich in der Regel Erfahrungswerte von Freunden und Bekannten. Am besten, Sie hören sich im Vorfeld nach persönlichen Tipps und Empfehlungen um. Einen übersichtlichen und umfangreichen Überblick an Angeboten - von Deutschland, über Österreich und Italien bis hin zu Indonesien - findet sich unter anderem auch auf der Seite rueckzug.com.

WIE EINFACH Tipp
PS: Neue Studien zeigen, welche Power in regelmäßigen Pausen steckt. Ja, es ist so: Eine Pause kann sogar richtig kreativ machen. Wir geben Tipps für die kleine Pause auf Knopfdruck.