Selbstliebe: Wie wir sie kultivieren können

Zugegeben, mit der Selbstliebe ist es nicht immer einfach: Mal ist sie stärker vorhanden, mal weniger. Wir verraten, wie wir Selbstliebe kultivieren können und warum sie so wichtig ist.
Selbstliebe: Wie wir sie kultivieren können Selbstliebe: Wie wir sie kultivieren können Selbstliebe: Wie wir sie kultivieren können
Foto: Lesly Juarez/Unsplash
Selbstliebe lernen - das klingt immer gleich so esoterisch, beziehungsweise nach fragwürdiger Selbsthilfe-Lektüre oder nach überteuerten Coachings, die man sich besser spart. Dabei wird gerne übersehen, dass Selbstliebe, sprich die Fähigkeit, uns mit unseren Facetten so anzunehmen wie wir sind und uns damit wohl zu fühlen, in der Tat eine Eigenschaft ist, die unser Leben um einiges lebenswerter macht. Im Folgenden verraten wir, wie sich Selbstliebe bewusst stärken und kultivieren lässt und welche positiven Begleiterscheinungen sie mit sich bringt.

Selbstliebe - nicht zu verwechseln mit Egoismus und Narzissmus


Selbstliebe ist verwandt mit Begriffen wie Selbstannahme, Selbstachtung, Selbstvertrauen und Selbstwert und nicht zu verwechseln mit Egoismus und Narzissmus. Wenn überhaupt, dann handelt es sich bei Selbstliebe um einen gesunden Egoismus, einem, der niemandem Schaden zufügt, sondern das eigene Selbstwertgefühl stärkt. Selbstliebe ist nicht nur gesund, sondern auch Grundvoraussetzung für ein gelingendes Beziehungsleben. Denn nur, wenn ich es mir selbst wert bin, führe ich Beziehungen, die mir gut tun und die mich stärken. Auch der berühmte Sozialpsychologe Erich Fromm hat die Selbstliebe als Grundlage dafür gesehen, andere Menschen lieben zu können, und dies eindrücklich in seinem empfehlenswerten Buch "Die Kunst des Liebens" festgehalten. Selbstliebe stärkt unser Selbstvertrauen: Wir sind ausgeglichener, emotional stabiler, unabhängiger (von der Meinung anderer) und aufgeschlossener fremden Menschen gegenüber. Genug Gründe, sich mit dem Gefühl der Selbstliebe ein wenig näher zu beschäftigen.

Selbstliebe - wo liegt ihr Ursprung?


Selbstliebe ist leider nicht selbstverständlich. Die Fähigkeit dazu wird uns in frühester Kindheit von unseren Eltern (beziehungsweise von unseren engsten Bezugspersonen) vermittelt - oder eben auch nicht. Viele Menschen haben Schwierigkeiten, sich selbst zu lieben, weil es ihnen an Urvertrauen mangelt. Der Grund dafür könnte beispielsweise sein, dass sie zu wenig Zuneigung und Anerkennung erhalten haben. Die schlechte Nachricht: Diese fehlende frühkindliche Wertschätzung macht sich oftmals im Erwachsenenalter als (meist unbewusster) Mangel bemerkbar. Die gute Nachricht: An diesem Gefühl der inneren Unzufriedenheit lässt sich gezielt arbeiten und das Gefühl lässt sich Schritt für Schritt in eine positive Selbststärkung transformieren.

5 Tipps, mit denen Sie Ihre Selbstliebe stärken können:



1. Positive Glaubenssätze formulieren
Ängste, Wut und negative Gedanken lassen sich am besten durch positive Glaubenssätze transformieren: Formulieren Sie einen positiven Glaubenssatz - Ihr ganz persönliches Mantra - und sagen Sie sich diesen mehrmals hintereinander und mehrmals täglich in Gedanken oder auch laut auf. Ganz besonders in Situationen, in denen sich der "Innere Kritiker" (siehe unten) verstärkt zu Wort meldet. Solch ein Glaubenssatz kann beispielsweise lauten: "Ich nehme mich endlich so an, wie ich bin!"

2. Weniger passives Vergleichen - mehr aktive Selbstreflexion
Die modernen Medien sind Fluch und Segen zugleich: Einerseits dienen sie uns als wichtige Informationsquelle, andererseits fluten sie uns tagtäglich mit Informationen, die nicht nur vollkommen irrelevant, sondern ungesund für unsere Selbstwahrnehmung sind - denn die permanente Selbstinszenierung anderer Menschen führt uns ständig vor Augen, was wir alles nicht sind oder haben. Wir haben nicht den Fitnesstrainerinnen-Traumkörper, leben nicht im lichtdurchfluteten New Yorker Penthouse und wir sind nicht das durch die Welt jettende, super erfolgreiche Model. Wir sind einfach nur wir. Früher hat sich das komischerweise gar nicht so verkehrt angefühlt. Also back to the roots! Weniger passive Facebook- & Instagram-Vergleiche, hin zu mehr ehrlicher Selbstreflexion: Wer bin ich, was kann ich, wofür möchte ich stehen? Statt gedanklich ständig im oberflächlichem Außen zu treiben, geht es darum, bei sich und seinem Wesenskern anzukommen. Was einem dabei helfen kann?

3. Meditation und Yoga - in der Ruhe liegt die Kraft und Selbstliebe
Klingt abgedroschen, ist deshalb aber nicht weniger wahr: Je mehr wir uns unserem inneren Selbst zuwenden, desto mehr kommen wir bei uns an und entlarven, dass es sich beim Großteil unserer täglichen Gedanken bloß um oberflächliches Geplapper handelt, das wir nicht sonderlich ernst zu nehmen brauchen. Richtig spannend wird es erst, wenn es still wird! Denn dann kommt der Gedankenstrom nach und nach zur Ruhe und lässt uns in Kontakt mit unserem wahren Selbst (statt mit unserem Ego) treten. Und genau diese Stille müssen wir in Zeiten multimedialer Dauerbeschallung ganz bewusst kreieren - und dann auch lernen auszuhalten. In unserem Artikel Meditieren lernen - so geht's! verraten wir, worauf man als Anfänger achten muss. Auch Yoga ist ideal, um Körper und Geist in Balance zu bringen - hier verraten wir die besten Yoga Übungen und Tipps für Anfänger.

4. Dankbarkeit kultivieren
Dankbarkeit ist quasi die kleine Schwester der Selbstliebe. Denn wer aufhört, von morgens bis abends mit sich und dem Leben zu hadern, wird feststellen, dass automatisch viel mehr Raum für Ruhe und positive Gefühle entsteht. Und auch dies lässt sich ganz bewusst kultivieren: Regelmäßige Meditation und die Praxis von Yoga stellen auf jeden Fall schon mal ideale Grundvoraussetzungen für dieses Gefühl her.
WIE EINFACH!-Tipp: Zählen Sie spontan 5 Dinge auf, für die Sie dankbar sind. Das kann die schön eingerichtete Wohnung sein, das von der OP gesundete Haustier oder die beste Freundin, die immer ein Ohr für Sie hat. Wer sich diese "Selbstverständlichkeiten" regelmäßig vor Augen führt, wird feststellen, dass er es im Grunde genommen ganz schön gut getroffen hat. In unserem Artikel Ganz einfach: Dankbarkeit macht glücklich verraten wir, wie sich Wertschätzung erlernen lässt.

5. Den inneren Kritiker bändigen und Toleranz üben
In der Psychologie spricht man vom so genannten "inneren Kritiker". Dieser ist bei manchen Menschen stärker ausgeprägt als bei anderen. Auch hier liegt der Grund in der frühkindlichen Prägung - sind wir häufig kritisiert und nur selten gelobt worden, übernehmen wir dieses gelernte Muster in der Regel und übertragen es als Erwachsene auf uns selbst. Bis zu einem gewissen Grad ist Selbstkritik gesund und bewahrt uns vor Maßlosigkeit und Selbstüberschätzung, aber oftmals gehen wir mit uns selbst wesentlich härter ins Gericht als mit anderen Menschen - und genau das ist ungesund. Statt an den hohen Ansprüchen, die wir an uns selbst stellen, regelmäßig zu scheitern, sollten wir uns selbst vielmehr ein guter Freund sein und dementsprechend Verständnis für unsere Fehler und Schwächen aufbringen (so wie wir das ja bei guten Freunden auch tun). Es geht darum, Akzeptanz zu üben und nachsichtig mit uns selbst zu sein. Wie heißt es so schön? "Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden." An der Selbstliebe lässt sich ja zum Glück feilen!