Tipps gegen Mobbing: Das hilft!

Unter Mobbing leiden nicht nur Kinder in der Schule, sondern auch Erwachsene bei der Arbeit. Wir geben Tipps und verraten, was dagegen hilft.
Tipps gegen Mobbing: Das hilft! Tipps gegen Mobbing: Das hilft! Tipps gegen Mobbing: Das hilft!
Foto: rawpixel.com/Unsplash
Eines gleich vorweg: Mobbing kann jeden treffen und selbst Menschen mit stabilem Selbstwertgefühl zutiefst verunsichern. Denn gerade die Tatsache, dass Mobbing nicht offen, sondern hinter dem Rücken der betroffenen Person ausgetragen wird, sorgt für extreme Verunsicherung. Zudem trifft die Schikane die Betroffenen meist vollkommen unvorbereitet. Aus heiterem Himmel scheinen sich Kollegen oder Mitschüler gegen einen verschworen zu haben. "Bilde ich mir das bloß ein oder ist es wirklich so, dass die anderen mich plötzlich ausschließen? Und wenn ja, warum? Ich habe denen doch nichts getan. Oder habe ich etwas falsch gemacht?" Das sind typische Gedanken, die Mobbing-Opfern als Dauerschleife durch den Kopf gehen. Dummerweise suchen sie den Fehler zunächst bei sich und kommen zu dem Schluss, dass sie ihr eigenes Verhalten ändern müssten, damit sich die Situation zum Guten wendet. Denn oftmals geschieht Mobbing auf sehr subtile Art, die sich nicht so schnell "beweisen" lässt. Denn nicht nur das, was gesagt oder getan wird, zeichnet Mobbing aus, sondern gerade auch das, was nicht ausgesprochen und was unterlassen wird. Etwa eine Verabredung zum Mittagessen, die zum wiederholten Male in letzter Sekunde abgesagt wird, das laute Lachen der Kollegen, die in unmittelbarer Nähe stehen, einen jedoch nicht einweihen ... Genau aus diesen Gründen sollte Mobbing auf keinen Fall unterschätzt und als Lappalie abgetan werden. Denn gezielte Schikane kann weitreichende psychische und physische Konsequenzen haben und das eigene Selbstwertgefühl stark ramponieren. Das weiß jeder, der selbst schon einmal von Mobbing betroffen war. Viele Mobbing-Opfer sind - nach teilweise monate- oder gar jahrelanger Schikane - seelisch und gesundheitlich schwer angeschlagen und die anschließende Verarbeitung gelingt oftmals nur mit psychosozialer Betreuung. Deshalb ist es wichtig, schon frühzeitig die ersten Mobbing-Anzeichen zu erkennen - sowohl bei sich, als auch bei den eigenen Kindern oder bei Freunden und Kollegen. Dabei hilft es zu verstehen, was genau Mobbing eigentlich bedeutet.

Was ist Mobbing?


Eine allgemein anerkannte Definition gibt es nicht. Mobbing ist sehr vielschichtig, denn Mobbing bezieht sich weniger auf eine einzelne Handlung, als vielmehr auf ein Verhaltensmuster mit systematischen Handlungsweisen, die sich wiederholen. Diese können verbal, beispielsweise in Form von Beschimpfungen oder aber auch nonverbal, zum Beispiel im Vorenthalten von Informationen geschehen oder physischer Natur sein, in Gestalt von körperlichen Übergriffen. Ein weiteres Kennzeichen sind ungleiche Machtverhältnisse - beispielsweise ein Vorgesetzter gegen einen Angestellten oder aber viele Personen gegen eine Person. Typische Mobbing-Handlungen sind unter anderem das Verbreiten von Gerüchten und Unwahrheiten, Sticheleien, Hänseleien, Arbeitsleistungen, die falsch bewertet werden, das bewusste Vorenthalten von arbeitsrelevante Informationen, das Ausschließen von Treffen oder wichtigen Meetings, massive, ungerechte Kritik sowie gezielte Ausgrenzung und Isolierung. Die Liste ließe sich noch endlos erweitern.

Mobbing auf der Arbeit


Laut Mobbing Report 2017 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) kann in einem Unternehmen mit 100 Beschäftigten davon ausgegangen werden, dass ca. 3 Beschäftigte unter Mobbing leiden. Das entspricht, gemessen an den aktuellen Beschäftigten-Zahlen gut über eine Millionen Erwerbstätiger in Deutschland. Diese erschreckend hohe Zahl lässt erahnen, wie weit verbreitet das Phänomen ist.

Mobbing in der Schule


Der aktuellen PISA-Studie der OECD zufolge wird jeder sechste (!) 15-jährige Schüler in Deutschland regelmäßig Opfer von Mobbing und leidet unter Hänseleien, gemeinen Beschimpfungen oder körperlichen Übergriffen durch Gleichaltrige oder Lehrer. Diese Zahl verdeutlicht, wie viele Schüler von Mobbing betroffen sind und wie sehr genaues Hinschauen gefragt ist.

7 effektive Tipps gegen Mobbing


Wie kann ich mich oder andere gegen Mobbing schützen? Im Folgenden verraten wir 7 wirkungsvolle Tipps gegen Mobbing.

1. Mobbing-Tagebuch führen


Klingt banal, ist aber eine der wirksamsten Waffen gegen Mobbing: Machen Sie Notizen und halten Sie in einem Mobbing-Tagebuch genau fest, wann welche Bemerkungen gefallen sind.
Dokumentieren Sie alle Mobbing-Vorfälle schriftlich, eventuell mit Datum, Uhrzeit, Ort, Bild, oder Tonaufnahme, Zeugen und Anwesenden. Auf die Weise können Sie Mobbing-Verlauf und Mobbing-Dauer später nachvollziehen (und sich nicht einreden lassen, dass Sie sich das alles nur einbilden). Diesen Tipp sollten Sie auch Ihrem von Mobbing betroffenen Kind geben und es beim Protokollieren unterstützen.

2. Hilfe holen - Mobbing-Hotlines, Schulpsychologen und Betriebsräte


Sollte Ihr Kind betroffen sein, hilft es Lehrer, Eltern oder Vertrauenslehrer oder Schulpsychologen mit einzubeziehen und das Thema möglichst frühzeitig offen anzusprechen und zu verbalisieren, dass man sich unfair behandelt und herabgesetzt fühlt. Auch psychosoziale Dienste können sowohl Kindern als auch Erwachsenen helfen, selbstsicher mit der Situation umzugehen und sich vor weiteren Angriffen zu schützen. Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben hat mit dem Hilfetelefon eine Mobbing-Hotline für Frauen eingerichtet und unter mobbing-schluss-damit.de finden sich Hotlines speziell für Kinder und Eltern. Auch rechtlich stehen Sie auf der sicheren Seite: Laut 84 Abs.1 Satz 1 BetrVG (Betriebsverfassungsgesetz) können Sie sich bei Ihrem Vorgesetzten beschweren, oder - falls der Vorgesetzte selbst der Mobber ist - bei Ihrem Arbeitgeber, beziehungsweise bei der Personalabteilung. Auch der Betriebsrat, sofern vorhanden, ist ein guter Ansprechpartner ( 85 Abs.1 BetrVG).

3. Selbstverteidigungskurse und Anti-Mobbing-Kurse


Inzwischen gibt es zahlreiche Angebote für Sicherheitstrainings und Anti-Mobbing-Trainings für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die eine ideale Präventivmaßnahme darstellen. Mittlerweile werden auch spezielle Kinder-Webseminare angeboten, in denen die Kids lernen, sich vor übler Nachrede und verletzenden Kommentaren im Internet zu schützen. Auch verbales Training kann helfen, sich gegen akute Mobbing-Attacken zu schützen. Am besten, Sie schauen sich mal im Netz um, was in Ihrer jeweiligen Umgebung angeboten wird oder erkundigen sich beim Schulpsychologen, Betriebsrat oder im Bekanntenkreis.

4. Hingucken und Civilcourage zeigen


Auch wenn Sie selbst gar nicht von Mobbing betroffen sein sollten, heißt es, genau hinzuschauen und falls nötig Zivilcourage zu zeigen. Sollte also etwa eine Kollegin oder ein Mitschüler Ihres Kindes offensichtlich und systematisch gehänselt und ausgegrenzt werden, sollten Sie aktiv werden und Ihre Unterstützung anbieten und diese Information eventuell gemeinsam mit dem Mobbing-Opfer an den Arbeitgeber oder die Eltern weitertragen. Denn gemeinsam ist man bekanntlich doppelt so stark und die Gefahr, unterdrückt zu werden, verringert sich.

5. Nicht vorschnell handeln


Aber aufgepasst, hüten Sie sich davor, andere vorschnell als Mobber zu bezeichnen. Denn das ist ein schwerer Vorwurf (und kann als üble Nachrede gelten). Von Mobbing kann erst die Rede sein, wenn Mobbing-Handlungen regelmäßig und über mehrere Wochen oder Monate hinweg statt gefunden haben. Genau deshalb ist auch das oben genannte Notieren der Bemerkungen und genauen Vorkommnisse, sowie das Miteinbeziehen von Zeugen so enorm wichtig.

6. Cyber-Mobbing


Inzwischen ist auch immer häufiger von Cyber-Mobbing die Rede. Was sich dahinter verbirgt? Mit Cyber-Mobbing ist das Schikanieren und Verfassen gehässiger Kommentare in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram gemeint, die nicht nur der Adressat selbst zu lesen bekommt, sondern öffentlich einzusehen sind und die das Opfer somit vor seinem kompletten Freundeskreis bloß stellen. Cyber-Mobbing kann aber bereits ganz "harmlos" mit dem bewussten Ausschließen einer einzelnen Person aus einer WhatsApp-Gruppe beginnen... Wer sich oder seinen Nachwuchs vor solch gehässigen Gemeinheiten schützen möchte, ist also eventuell mit einem Web-Seminar gut beraten (siehe auch Punkt 3).

7. Rechtlich gegen Mobbing vorgehen


Im schlimmsten Fall, sollte sich der Zustand über einen langen Zeitraum erstrecken und unerträglich werden und keinerlei Gespräche fruchten, sind entweder ein Schul- beziehungsweise Arbeitgeberwechsel oder aber ein Gang zum Arbeitsrechtler in Betracht zu ziehen. Leider gibt es im deutschen Arbeitsrecht im Gegensatz zu Ländern wie Dänemark, Schweden, Finnland und Frankreich kein "Anti-Mobbing-Gesetz" und keine speziellen gesetzlichen Regelungen. Dennoch kann es im Ernstfall durchaus ratsam sein, rechtlich gegen Mobbing vorzugehen. Hier finden Sie umfangreiche Informationen zu Ihren rechtlichen Möglichkeiten, die Sie im Fall von massivem Mobbing haben.

WIE EINFACH-Tipp:
Und wie so oft im Leben gilt: In schwierigen Lebensphasen sollte man unbedingt sich selbst und seine Bedürfnisse in den Fokus rücken und verstärkt das machen, was einem gut tut und das angeschlagene Ego stärkt. Das können regelmäßige Massagen, der lang ersehnte Wellness-Urlaub oder aber der Beginn von regelmäßigem Kampfsport- oder Yogatraining sein. Erlaubt ist alles, was gefällt und Balsam für Körper und Seele ist!