Waldbaden: Das Anti-Stress-Programm

Waldbaden? Klingt merkwürdig, doch der japanische Wellness-Trend "Shinrin-yoku" tut unserer Seele gut und hilft, Stress abzubauen. Wir erklären, warum.
Waldbaden: Das Anti-Stress-Programm Waldbaden: Das Anti-Stress-Programm Waldbaden: Das Anti-Stress-Programm
Foto: Esther Tuttle/Unsplash
In Japan wird Shinrin-yoku (japanisch für "ein Bad im Wald nehmen") schon seit Langem praktiziert und dort sogar von Ärzten verschrieben. Wir erklären, warum die fernöstliche Methode Waldbaden eine heilende Wirkung auf unseren Körper und Geist hat und wie wir lernen können, mit allen Sinnen in den Wald einzutauchen, um inmitten der Natur neue Energien zu tanken.

Was bedeutet Waldbaden?


Anders als der Begriff vermuten lässt, geht es hier nicht um ein Bad in einem von Wald umgebenen See, sondern darum, die Natur bewusst und achtsam wahrzunehmen und die verschiedenen Sinneseindrücke wertfrei auf sich wirken zu lassen: den würzig-herben Duft von Tannenadeln und Waldboden, den beruhigenden Anblick von Blattgrün, die feine Maserung von Birkenborken, das Rascheln in den Baumkronen... Statt mit den Gedanken schon beim Abendessen, nächsten Einkauf oder letzten Urlaub zu sein, geht es beim Waldbaden darum, die Umgebung mit wachen Sinnen zu registrieren.

Waldbaden - das perfekte Anti-Stress-Programm


Wissenschaftler wie der japanische Professor für Umweltimmunologie Qing Li befassen sich bereits seit den Achtzigern mit der Heilkraft von Bäumen. Dank ihm wird die "Waldmedizin" in seinem Heimatland nicht belächelt, sondern - im Gegenteil - gilt als anerkannte Wissenschaft, die den Menschen hilft, Entspannung zu finden und Stress abzubauen. Li hat in der Vergangenheit zahlreiche Studien durchgeführt, die sich mit dem Einfluss von Waldumgebungen auf die menschliche Gesundheit befassen. So konnten Li und seine Kollegen herausfinden, dass bereits ein kurzer, etwa 30-minütiger Waldspaziergang einen positiven Einfluss auf unser Immunsystem hat. Dank der vermehrten Ausschüttung von Botenstoffen sinken Blutdruck und Stresshormone merklich und unsere Selbstheilungskräfte werden aktiviert. Ein "Bad im Wald" trägt also dazu aktiv bei, Stresshormone zu reduzieren und somit auch Entzündungen im Körper vorzubeugen.

Auch hierzulande erfreut sich Waldbaden immer größerer Popularität. Kein Wunder: In Zeiten maximaler Beschleunigung und multimedialer Dauerberieselung sehnt sich der Mensch nach Erdung. In unserem hektischen, von Reizüberflutung geprägten Alltag stellt der Wald den idealen Zufluchtsort dar, der uns dabei hilft, loszulassen und uns selbst wieder näher zu kommen.

Und so geht's - eine kurze Anleitung zum Waldbaden


Die wichtigste Regel vorweg: Beim Waldbaden gibt es keine Regeln, sondern Empfehlungen, die jeder für sich selbst adaptieren und justieren kann.

1. Sämtliche Störfaktoren beseitigen: Heißt, idealerweise bleibt das Handy zu Hause oder wird ausgeschaltet
2. Bei längeren Spaziergängen Proviant einpacken
3. Wichtig: Jeden Leistungsgedanken beiseite schieben. Beim Waldbaden geht es nicht um eine möglichst lange, herausfordernde Wanderung, sondern darum, ohne Zeit- und Leistungsdruck zu spazieren und dabei die positive Energie des Waldes zu spüren
4. Während des Waldbadens bewusst und tief ein- und ausatmen
5. Die Umgebung aufmerksam registrieren und sämtliche Details mit allen Sinnen wahrnehmen
6. Zwischendurch immer mal wieder Pausen einlegen und genau hinhören, riechen und spüren. Diese Pausen sind auch ideal, um eine kleine Meditation durchzuführen oder eine Brotzeit einzunehmen
7. Buchstäblich neue Wege beschreiten und dabei die Natur entdecken: Warum nicht mal einen Baum umarmen und spüren, wie sich die Rinde anfühlt und wie sie riecht oder barfuß und mit mit geschlossenen Augen über eine Mooswiese gehen? Wichtig: Nicht groß nachdenken und stattdessen den Sinnen das Kommando überlassen.

Extended Version: Camping im Wald


Wer der Natur nicht nur für wenige Stunden nahe sein möchte, sondern für ein paar Tage und Nächte im Wald abtauchen und seine Seele baumeln lassen möchte, für den ist ein Ausflug mit Baumzelt und Hängematte genau das Richtige. Denn einerseits ist man mitten in der Natur, gleichzeitig bleibt man von ihren Schattenseiten wie Bodenfeuchtigkeit und unliebsamen Insekten verschont. Baumzelte lassen sich genau wie Hängematten in Windeseile aufspannen. Tipp: Den Platz unter dem Zelt kann man wunderbar zum Kochen, Essen oder Sitzen nutzen. In folgendem Artikel fahren Sie mehr über die neue Generation der Baumzelte.

Buchtipp
"Waldbaden: Mit der heilenden Kraft der Natur sich selbst neu entdecken" von Annette Bernjus mit Anna Cavelius, mvg Verlag, 160 Seiten, 14,99 Euro.