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Fahrrad-Airbag von Hövding: So schützt der aufblasbare Fahrradhelm

Im Auto verhindern Airbags beim Aufprall das Schlimmste. Jetzt gibt es das Prinzip auch für Fahrradfahrer. Wir haben uns den Fahrrad-Airbag von Hövding angeschaut.

Foto: Niklas Carlsson

Helme gelten bei Fahrradfahrern als ganz schön uncool. Schon Schüler unterer Stufen empfinden unter ihrer Würde, mit Helm zur Schule zu fahren, auch wenn es insbesondere in diesem Alter dringend empfohlen wird. Verwunderlich: Eine generelle Helmpflicht gibt es in Deutschland im Gegensatz zum Beispiel zu Österreich nicht, auch nicht für Kinder. Vielleicht liegt es daran, dass Erwachsene wenig Vorbild sind und dem sperrigen Ding kaum etwas Gutes abgewinnen können. Nicht allein, weil es die Haare platt drückt. Der Spaß am Radfahren, so das wichtigste Argument, würde unter einem Fahrradhelm deutlich eingeschränkt werden.

Schaut man sich die Datenbank der Unfallforschung an, riskiert man »oben ohne« allerdings eine Menge. Bei Fahrradfahrern mit Helm führen Unfälle in 46 Prozent der Fälle zu Kopfverletzungen. Ohne Helm steigt die Quote der Verletzungen auf 73 Prozent. Sicherheit sollte oberste Priorität sein. Nach diesem Prinzip hat der schwedische Hersteller Hövding eine neue Variante auf den Markt gebracht: einen Fahrrad-Airbag, quasi einen aufblasbaren Fahrradhelm, der wie eine Halskrause um den Hals liegt, sich erst beim Sturz innerhalb von Nanosekunden selbst aufbläst und so wirksam schützen kann.

Wie genau sieht der Fahrrad-Airbag aus?


Er kommt gut verpackt in einem gelben Karton. Beim Herausnehmen liegt mir das Gewicht in den Händen. Kein leichtes Ding, ich schätze, es wiegt um die 700 Gramm. Dafür ist der Fahrrad-Airbag aber schön flexibel und lässt sich klein zusammenfalten. Wenn ich ihn nicht brauche, kann er also bequem in meiner Tasche verschwinden. Geformt ist der Fahrrad-Airbag wie ein schwerer Schal, den man sich quasi als Manschette um den Hals legen und mit einem Reißverschluss verschließen muss. Die Größenangabe sollte man im Vorfeld eruieren und mit dem eigenen Kopfumfang abgleichen. Sonst kann es eine ganz schön enge Nummer werden. Aus der Bedienungsanleitung erfahre ich, dass die Manschette vor dem Einsatz vollständig aufgeladen werden muss. Ein passendes USB-Kabel finde ich in der Box, genauso wie einen Materialschutz, den man per Reißverschluss an den Gürtel zippen und ihn somit gegen Gebrauchsspuren schützen kann.

Vollständig aufgeladen lege ich mir die Manschette um den Hals. Mit einem Knopf am Zipper, den ich in den Aktivierungsbutton einrasten lassen muss, ist mein Airbag aktiviert. Ein kleines akustisches Signal bestätigt dies. Und ich bin erleichtert: Das Gewicht spürt man praktisch nicht, auch die Bewegungsfreiheit des Kopfes ist nicht beeinträchtigt. Was mich im Winter allerdings etwas stören würde? Dass kein dicker Schal unter die Manschette passt. Zwar habe ich jetzt den Airbag als Schutz um den Hals, aber der fühlt sich natürlich lange nicht so kuschelig an. Oben darüber ist auch keine gute Idee, weil der Airbag sonst in seiner Funktionsweise eingeschränkt werden könnte. Meine Daunenjacke lässt sich aber gut schließen. Und ich erfahre, dass Mützen offensichtlich erlaubt sind. Der Airbag würde sie im Ernstfall schlicht vom Kopf fegen. Perfekt!

Wie funktioniert der Fahrrad-Airbag?


Ich drehe mit meinem Bike ein paar Runden und spüre den Fahrtwind, der durch die Haare bläst. Herrlich. Meine Befürchtung, dass der Airbag versehentlich auslöst, während ich über hartes Kopfsteinpflaster oder einen Bordstein nagele, ist übrigens unbegründet. Die schwedischen Entwickler haben Tausende von Stürzen ausgewertet und die Bewegungsmuster echter Stürze und Aufprallaktionen in die Technik einfließen lassen. Der Fahrrad-Airbag spürt das offenbar, er lässt sich nicht einfach manipulieren. Mit Head-Banging oder provoziertem Fallenlassen aus dem Stand passiert nichts. Allerdings sollten Mountain-Biker im extremen Gelände die Finger davon lassen. Der aufblasbare Helm ist für den Straßenverkehr konzipiert, nicht für Downhill-Schotterpisten in extremer Schräglage und mit kalkulierten Abgängen.

Einmal Airbag fühlen bitte!


Üben für den Ernstfall geht nicht. Warum? Weil sich der Fahrrad-Airbag genau einmal auslösen lässt. Bei einem Unfall oder Aufprall bläst ein Gasgenerator, der hinten im Kragen eingebaut ist, den Airbag mit Heliumgas auf. In einer Zehntelsekunde schließt sich eine futuristisch anmutende Trockenhaube um Kopf und Stirn, die alle wichtigen Kopf- und Gesichtsteile vor schweren Verletzungen schützt. Das sieht zwar mit Verlaub mehr als ungewöhnlich aus, aber ich glaube, dass niemand mehr in so einer Situation um sein Aussehen besorgt ist. Sicherheit geht definitiv vor Schönheit!

Hat der Fahrrad-Airbag seinen guten Dienst getan, kann man ihn an den Hersteller Hövding zurückschicken. Die Entwickler haben ein großes Interesse daran, noch weitere Bewegungsmuster echter Unfälle in die Forschung für ihr Produkt fließen zu lassen. Kostenlos ist der Austausch leider nicht, doch der Anschaffungspreis von 300 Euro reduziert sich um 100 Euro. Und jeder, dem der Helm gerade das Leben gerettet hat, weiß ja, was er dafür an Gegenleistung bekommt.

Die Sicherheit ist wissenschaftlich bestätigt


Einer aktuellen Studie der Universität von Stanford zufolge wurde der Hövding-Airbag für Radfahrer übrigens untersucht. Das Ergebnis, das kürzlich im "Annals of Biomedical Engineering" veröffentlicht wurde, stellt die Vorzüge in der Vordergrund: Die Forscher verglichen Stärke und Widerstandskraft des Airbags zu einem herkömmlichen Helm. Offensichtlich kann durch den Airbag die Schwere der Kopfverletzungen um das Achtfache reduziert werden. Insbesondere für Nacken und Schädel scheint der Fahrrad-Airbag in Bezug auf seine Sicherheit alternativlos zu sein.

Mein Fazit:
Ich finde die Technik eine sehr gute Alternative zu Fahrradhelmen, für die ich mich noch nie habe erwärmen können. Für all jene, die sich gut schützen und trotzdem nicht auf den Fahrtwind am Kopf verzichten wollen, ist der Fahrrad-Airbag eine tolle Entwicklung.
Und vielleicht ist es mit der Sicherheit auf dem Rad ähnlich wie hinter dem Steuer oder auf der Skipiste. Dort haben wir uns inzwischen daran gewöhnt, dass wir uns anschnallen oder Skihelm tragen. Man sieht wirklich kaum noch Bommelmützenträger auf der Piste und wer sich nicht anschnallt, wird mit einem Dauer-Signalton malträtiert. Auch wenn es sich anfangs ungewohnt anfühlt: Das eigene Leben sollte einem das wert sein.


Von Franziska Wischmann

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